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Einfache Sprache
In so einem langgestreckten Bau wie diesem hier kann eigentlich nur eines untergebracht sein: die Werkstatt und Bahn eines Seilmachers. Freie Bahn – brauchte jede Seilerei. Eine überdachte, mit Brettern verschlagene Bahn hatten nur etablierte Seilerbetriebe. Diese Seilerhütte stand neben der Pferderennbahn in Pfarrkirchen. Dort betrieb die Seilerei Eder vier Generationen lang das alte Handwerk, bei dem Bindfäden, Schnüre, Seile, Stricke und Taue aus Naturfasern gefertigt werden. Für besonders lange Seile nutzte man die benachbarte Rennbahn. Hanf und Flachs sind der wichtigste Seiler-Rohstoff. Aus ihren Halmen müssen zunächst Fasern aufbereitet werden. Zentrales Gerät des Seilers ist dann das Seilerrad. Damit wird sowohl gesponnen als auch gezwirnt. Das alles geschieht, während sich der Seiler vom Rad weg rückwärts bewegt. Beim Eindrehen werden mittels mitgetriebener Haken mehrere Fäden zu Garn und mehrere Garne zur Litze. Aus vier bis sechs Litzen wird ein Seil gedreht. Festigkeit entsteht dabei nur durch Drehen in jeweils entgegengesetzter Richtung. Im Mittelalter war das Seilern oft ein Nebenerwerb zur Landwirtschaft, vor allem dort, wo Flachs angebaut wurde. Nach 1860 wurde das Seilerrad nach und nach durch die Spinnmaschine abgelöst. Die Seiler übernahmen noch das Fertigen kürzerer Längen, da für diese die maschinelle Herstellung unrentabel war.