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Das Neuburger Schloss hat während des 19. Jahrhunderts tiefgreifende Veränderungen erfahren: Anfangs noch fürstlicher Witwensitz, bald darauf nur mehr selten vom bayerischen Königshaus besucht, diente es seit 1868 als Kaserne des in Neuburg stationierten 15. Königlich bayerischen Infanterie-Regiments. Dieser und die beiden nachfolgenden Räume, insbesondere das große Turmzimmer am Ende der Raumflucht, dienten als Offizierskasino. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurden sie historisierend ausgestaltet, zwei Räume mit Holzvertäfelungen und Holzdecken im Stil der deutschen Renaissance, der dazwischenliegende Salon in neoklassizistischem Stil. Balkendecke und geschnitzte Portale dieses Raums schuf der Neuburger Schreiner Joseph Scheidle 1892. Die Speisetafel, die mit einem umfangreichen, um 1830 in Neuburg gefertigten Steingutservice eingedeckt ist, erinnert an die Epoche des Biedermeier, als das Schloss noch durch die letzte Hofhaltung der Herzoginwitwe Maria Amalia belebt war. Für einige Jahrzehnte – von 1810 bis 1854 – hatte sich in Neuburg eine Steingutfabrikation etabliert, die seit 1823 mit königlicher Konzession ausgestattet eine groß angelegte Produktion im einstigen Franziskanerkloster betrieb. Das vielteilige, durch eine Fülle unterschiedlichster Formstücke ausgezeichnete Service mit geschwämmeltem Dekor kann zu den bedeutendsten Produkten der Neuburger Manufaktur gezählt werden. Es stammt aus dem Besitz des Grafen Montperny, Obersthofmarschall von König Max I. Joseph von Bayern, der seit 1820 in Schloss Leitheim bei Donauwörth ansässig war.