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Einfache Sprache
Zu einem Bauernhaus wie diesem hier am Kapplhof wird gerne „Waldlerhaus“ gesagt. Das holzgedeckte, weit auskragende Dach und die Blockbauwände werden als typische Merkmale gesehen. Doch das typische Waldlerhaus gibt es eigentlich gar nicht, zu vielfältig waren die Bauernhäuser im Bayerischen Wald. Ihre jeweilige Bauform wurde von vielen Faktoren geprägt, so zum Beispiel von der topografischen Lage, von lokalen Traditionen und vom Vermögen des Erbauers. Der Kapplhof ist jedenfalls kein untypischer Hof aus dem Bayerischen Wald. Seine Anlage als offener Dreiseithof war häufig anzutreffen. Ebenso die Mischbauweise seines 1835 errichteten Wohnstallgebäudes: Blockbau, Mauerwerk und verbretterter Ständerbau ergänzen sich in funktionaler Weise. Auf dem flach geneigten Dach sind die hölzernen Schindeln lediglich lose aufgelegt und mit Feldsteinen beschwert. Sie heißen daher Legschindeln, im Gegensatz zu den Scharschindeln, die auf steilere Dächer aufgenagelt werden. Der Schrot – so nennt man den Balkon eines Bauernhauses – fällt durch sein schmuckes Geländer aus aufwändig geschnitzten Brettern auf. Die gesamte Bauweise, das Legschindeldach und der verzierte Schrot geben diesem Bauernhaus eine Erscheinung, die man also gerne als „Waldlerhaus“ bezeichnet.