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Einfache Sprache
Sie stehen hier vor einem Kleinbauernhaus, das man auch als Sachl bezeichnete – also: eine kleine Sache im Sinne eines kleinen Besitzes. Im Gegensatz zu einem Bauernhof mit mehreren Gebäuden war hier in nur einem Haus alles untergebracht, was man zum Wirtschaften und Leben brauchte: Wohn- und Lagerräume, Stadel, Tenne und verschiedene Ställe. Die Bewohner lebten mit ihren Tieren unter ein- und demselben Dach. Das zweigeschossige Haus hat eine bewegte Geschichte. Es gehörte ursprünglich zu einem Dreiseithof bei Röhrnbach, der mit den Jahren verkam. 1872 blieb nur noch das Sachl als Kleinstanwesen übrig. 1903 übernahm Alois Graf das Haus. Mit Frau und zwei Töchtern lebte er im Sachl und brachte seine Familie mit einer kleinen Landwirtschaft und verschiedenen Nebentätigkeiten redlich über die Runden. 1914 ließ Alois Graf das Holzschindeldach durch ein steileres Ziegeldach ersetzen. Dazu wurde der First erhöht, was an den jüngeren Giebelbrettern heute noch zu erkennen ist. 1929 erweiterte Graf die Tenne und den Stadel. Etwa zur selben Zeit zog er eine Wand in die Bauernstube, wodurch er eine Küche von der Wohnstube abtrennte. Nachdem Alois Graf 1946 gestorben war, unterteilte seine Tochter Karolina die Stube abermals. Der Wohnraum wurde noch kleiner zugunsten einer neuen kleinen Küche, in der sich die Sachl-Erbin bevorzugt aufhielt. Die alte, unbeheizte Küche nutzte sie unter anderem zum Buttermachen. So passten die Bewohner im Lauf der Zeit das Sachl ihren jeweiligen Bedürfnissen an.