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Einfache Sprache
Dieses Antependium zeigt eine Pfeilerhalle, deren Gewölbe auf zwölf Pfeilern ruht, was der Zahl der Apostel Christi entspricht. Sie ist symmetrisch angelegt und gewährt einen Blick in einen mit Bäumen und Beeten bestellten Barockgarten. In der Mittelachse des Gartenhintergrunds wird die Bogenarchitektur von zwei hintereinanderstehenden Laubbögen fortgeführt. Zwischen den beiden ist ein Broderieparterre in der typischen Form französischer Barockgärten mit symmetrisch angelegten Beeten und Springbrunnen zu erkennen. Das französische Wort „broderie“, das im Namen dieses Gartenelements steckt, bedeutet übrigens Stickerei. Insgesamt ist dieses Bild als barocke Darstellung des Paradieses zu verstehen. Der Hauptaltar, zu dessen Schmuck das Antependium geschaffen wurde, gilt als Zugang zum Paradies mit dem Lebensquell, der Altar ist die von Gott geschaffene Quelle in der Wüste. Das ist zusammen mit den zugehörigen Antependien der Seitenaltäre und den dort dargestellten Engelserscheinungen eine für die Barockzeit absolut einmalige Altarausstattung. Bei diesem Antependium wurde direkt auf einem Seidengewebe mit marmorierendem Moiré-Effekt gestickt, der vor allem im oberen Bereich des Gewölbes und der Pfeiler gut zu sehen ist. Hier sind auch die fünf vertikalen Nähte zu erkennen, welche die sechs schmalen Gewebebahnen verbinden. Im unteren Bereich ist dieser Trägerstoff mit Seidenstickerei schattierend bedeckt, was Dreidimensionalität erzeugt. Die Flächen der Pfeiler sind mit goldgestickten Gehängen geschmückt, deren gemalte Schatten die Plastizität noch erhöhen. Ein besonderer Trick erzeugt die unterschiedliche Wirkung der Bäume. Die Bäume ganz außen wurden jeweils mit Chenillegarn gearbeitet. Das sind samtartige Fäden mit vielen seitlich abstehenden Haaren. Dieser sogenannte Flor besteht aus kurzen, feinen Fäden, die von zwei miteinander verzwirnten Fäden gehalten werden. Die anderen Bäume wurden wiederum mit ungesponnenen Seidenfäden gestickt, was ihnen einen seidigen Schimmer verleiht.