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Willkommen an der Invertebraten Vitrine! Als Invertebraten, also wirbellose Tiere, bezeichnet man alle vielzelligen Tiere, die keine Wirbelsäule besitzen. Das klingt nach einer kleinen Gruppe – tatsächlich machen Wirbellose aber rund 97 % aller beschriebenen Tierarten aus. Trotz dieser unglaublichen Vielfalt spielen sie in der öffentlichen Wahrnehmung oft nur eine Nebenrolle. Mit der Invertebraten Vitrine im Dannerhaus möchten wir das ändern. Hier können Sie die faszinierende Welt der Wirbellosen aus nächster Nähe entdecken. Der Begriff „Wirbellose“ ist dabei rein beschreibend und umfasst viele sehr unterschiedliche Tiergruppen - darunter Insekten, Tausendfüßer, Krebstiere und Spinnentiere, aber auch Schnecken und Würmer. In unserer Ausstellung sehen Sie verschiedenste Tierarten aus diesen Gruppen, um als Beispiel für die Vielfalt der Wirbellosen zu dienen. So wie zum Beispiel die Roten Mosambik Schnurfüßer. Weltweit gibt es über 16.000 beschriebene Tausendfüßerarten. Wenn wir im Alltag von „Tausendfüßern“ sprechen, meinen wir meist die Schnurfüßer – jene Gruppe, die uns auch in Deutschland am häufigsten begegnet. Unsere Tiere stammen jedoch aus Afrika. Die leuchtend roten Schnurfüßer bewegen sich wie kleine Rammböcke durch den Boden und schieben Erde und verrottendes Pflanzenmaterial zur Seite. Viele Arten besitzen außerdem Wehrdrüsen, mit denen sie bei Gefahr übelriechende Sekrete abgeben. Als Vertreter der Krebstiere zeigen wir die Panda-Assel. Diese flinken Landasseln gehören zu den wenigen Krebstieren, die dauerhaft an Land leben – obwohl ihre Vorfahren aus dem Meer stammen. Alle Landasseln – wie auch die heimische, oft bekannte Kellerassel – atmen noch immer über Kiemen und sind deshalb auf eine feuchte Umgebung angewiesen. Daher findet man sie häufig in Kellern oder unter Steinen. Auch ihre Eier entwickeln sich im Wasser: Die Weibchen tragen ein kleines „Aquarium“, das sogenannte Marsupium, unter dem Bauch in dem sich die Eier geschützt in einem Wassertropfen entwickeln. In unseren Terrarien finden sich auch mehrere Arten von Insekten. Der Name Insecta bedeutet „die Eingeschnittenen“ und bezieht sich auf die deutlich getrennten Körperabschnitte Kopf, Brust und Hinterleib. Über die Hälfte aller beschriebenen Tierarten sind Insekten. Allein in Deutschland kennt man rund 34.000 Arten, darunter über 300 Wildbienenarten. Doch die meisten von uns könnten kaum zehn davon benennen – ein Hinweis darauf, wie wenig wir diese enorme Vielfalt wahrnehmen. Besonders spannend ist die Nui Chua Stabschrecke, eine Art, die erst 2018 entdeckt wurde. Sie kommt ausschließlich im Nui Chua Nationalpark in Vietnam vor – einem Gebiet von nur etwa 24 Hektar tropischem Küstenregenwald. Diese Stabschrecke zeigt eindrucksvoll, warum Artenschutz nicht bei den Wirbeltieren enden darf. Wenn wir Biodiversität wirklich erhalten wollen, müssen wir auch die Wirbellosen berücksichtigen – jene 97 % aller Tierarten, die oft übersehen werden. Dank der EAZA Kampagne „Vietnamazing“ gelang es, diese seltene Art in die Zoogemeinschaft aufzunehmen und erfolgreich zu vermehren. Ein wichtiger Schritt für den Schutz einer Tiergruppe, die für unsere Ökosysteme unverzichtbar ist.
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