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Einfache Sprache
Flammen schlagen züngelnd aus den Burgfenstern. Der Dachstuhl des Palas bricht knackend ein. Überall Glut und Brand. Voller Verzweiflung richten sich die Blicke der Kallmünzer hoch zum Burgberg. Es muss ein fürchterlicher Anblick gewesen sein im Jahr 1641. In diesem Jahr waren die Schweden im Dreißigjährigen Krieg durch Kallmünz gekommen. Die Ortschaft plünderten sie, die Burg brannten sie nieder. Damit endet die Geschichte einer Befestigung, deren Nutzung wohl über 3000 Jahre in die Vergangenheit reicht. Und dieser Umstand verwundert nicht. Die Burg Kallmünz liegt strategisch günstig auf einem von steilen Hängen beschirmten Felssporn. Eingerahmt wird dieser von den beiden Flüssen Vils und Naab, die sich unmittelbar davor vereinen. Schon in prähistorischer Zeit hatten die Menschen den Vorteil erkannt, den diese besondere Lage hatte, und siedelten schon rund 1900 Jahre vor Christi Geburt auf der Anhöhe. So konnten sie die frühen Handelswege entlang und auf der Naab und der Vils nutzen und wohl auch kontrollieren. Funde aus der Bronzezeit belegen diese frühe Besiedlung. Spuren aus keltischer Zeit sind genauso aufzufinden, wie auch Umwallungen aus dem frühen Mittelalter – eine Zeit, in der der Burgberg wohl als Fluchtburg vor den plündernden Ungarnhorden genutzt wurde. Im späten 13. Jahrhundert taucht der erste namentlich bekannte Burgherr auf: Hugo von Kallmünz. Er war ein Ministeriale, der im Auftrag seines Lehensherren über Burg und Dorf Kallmünz wachte. Zu dieser Zeit war auf dem Burgberg bereits eine beachtliche mittelalterliche Festung entstanden, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte noch erweitert werden sollte. Spätestens 1329 wurden die Wittelsbacher Herren auf der strategisch günstig gelegenen Burg Kallmünz. Doch ihre günstige Lage war auch ihr Verhängnis. Mehrmals wurde Burg Kallmünz erobert, geplündert, angezündet und dann wieder errichtet. Doch erst die Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg führte dazu, den Burgberg als Festungsort aufzugeben. Den Kallmünzern diente die Burgruine fortan nur noch als Steinbruch. Aber vielleicht war es genau die romantische Gestalt der Burgruine, die Künstler von Weltruhm ins beschauliche Kallmünz lockte, um sich hier fern der großen Metropolen ganz der Natur und der Kunst ergeben zu können. So wählte der berühmte Maler Wassily Kandinsky mit seiner Malschule im Sommer 1903 Kallmünz als Treffpunkt aus. Hier traf er sich mit der heute ebenso bekannten Malerin Gabriele Münter. Beide wurden hier ein Paar und verlobten sich – auch wenn sie ihre Verlobung geheim halten mussten. Immerhin war Kandinsky zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet… Und die Burg? Sie wurde Motiv zahlreicher Bilder und ist auch heute als malerische Ruine noch immer ein Ort zum Schwärmen und zum Staunen.