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Einfache Sprache
Die letzte Bewohnerin dieses Sachl hieß Karolina Graf. Sie erbte es nach dem Tod ihres Vaters 1946. Da waren auch ihre Mutter und ihre Geschwister bereits verstorben. 30 Jahre lang blieb sie fortan allein auf dem kleinen Anwesen. Wie mag ein Tag im Leben der Karolina Graf abgelaufen sein? In jedem Fall mit viel Arbeit. Denn alles, was sie zum Leben brauchte, bewerkstelligte sie selbst. Hinten im kleinen Viehstall waren die Kuh und ein Schwein zu versorgen, auf der anderen Flurseite die Hühner. In einer Nische im Flur lieferte eine Wasserkuchl heißes Wasser zum Waschen und zum Bereiten des Viehtranks. Zum täglichen Pensum der ledigen Kleinbäuerin gehörten Holzmachen für die Öfen; den Sparherd in Betrieb halten; die Tiere füttern, Melken, Stallausmisten und vieles mehr. In ihrem Garten vor dem Haus baute sie an, was sie zum Kochen und Einlagern brauchte. In ihrem kleinen Vorratsraum gab es auch einen Ofen zum Brotbacken. Kartoffeln und Wurzelgemüse waren am besten in dem Erdkeller aufgehoben, in den eine enge Stiege führt. In der durch Zwischenwände verkleinerten Stube fand Karolina ihr klein bisschen Luxus. Da ruhte sie sich am Kanapee aus, da hörte sie Radio oder saß nach getanem Tagwerk beim Lesen. Auf öffentliche Gelder hatte Karolina Graf ihr Leben lang verzichtet. Vorsorglich sparte sie sich eigenes Geld für einen Platz im Altersheim an. 1978 verließ sie ihr Sachl und zog ins Heim. Ein Jahr später verstarb sie dort im Alter von 72 Jahren.