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Einfache Sprache
Die Stickerei zeigt die biblische Geschichte der Frau aus Kanaan, die Jesus um die Heilung ihrer Tochter bat (Mt 15, 21-28; Mk 7, 24-30). Sie kniet in der Bildmitte vor Jesus mit seinen Aposteln. Die Frau war keine Jüdin wie Jesus, deshalb antwortete er ihr zunächst gar nicht. Auf Drängen seiner Jünger betonte Jesus schließlich, dass er nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt sei. Als die Frau vor ihm niederfiel und weiter um Hilfe flehte, sagte Jesus hart, es wäre nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Damit setzte er die Frau einem Hund gleich. Sie aber begegnete dieser Beleidigung, indem sie argumentierte, dass selbst die Hunde Reste bekämen, die vom Tisch ihrer Herren fallen würden. Ihr starker Glaube beeindruckte Jesus und er heilte ihre Tochter. Diese Erzählung wurde in der christlichen Kunst sehr selten dargestellt. Die Frau im Zentrum der Geschichte mag für die Ursulinen ein Grund gewesen sein, gerade dieses Thema für den wichtigsten Ort ihrer Kirche, den Hauptaltar auszuwählen. Denn Antependien dienten als schmückende Verkleidung der Vorderseite des Altartisches und konnten so das Altarbild an bestimmten Festen im Kirchenjahr ergänzen. Das Eichhörnchen steht für die Suche nach göttlicher Wahrheit, die Heuschrecke für die bekehrten Heiden. Der kleine Hund ist zum einen eine Anspielung auf die Bibelstelle, zum anderen handelt es sich um einen Zwergspaniel, eine Hunderasse, die im Barock zu den Lieblingstieren höfischer Damen gehörte und so vielleicht einen Bezug zur Kurfürstin-Witwe Elisabeth Amalie herstellte. Am unteren Rand ist auf dem Trägerstoff aus Leinen zum Teil nicht überstickte Vorzeichnung zu erkennen, die mit reinen Umrisslinien gestaltet war. Die Virtuosität der Flächenfüllung lag in der Hand der Stickerinnen. Zur Herstellung sollen zwei Stickerinnen vier Jahre benötigt haben.