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Einfache Sprache
Es muss ein riesiges Fest gewesen sein im Jahre 1738 als sie endlich feierlich eingeweiht werden konnte: Die neue, barocke Klosterkirche von Pielenhofen. Die weißen Mönche des Zisterzienser-Ordens konnten in ihr neues Gotteshaus würdevoll einziehen und dem stolzen Baumeister im Stillen danken. Der aus dem Vorarlberg stammende Baumeister Franz von Beer hatte es geschafft die große Kirche in rekordverdächtigen 21 Jahren Bauzeit zu vollenden. Und die Kirche war ihm prächtig gelungen. Mit dem eindrucksvollen Hochaltar und dem feingearbeiteten Deckengemälde, für das die Heilige Dreifaltigkeit als Motiv gewählt worden war, stellt die Kirche ein imposantes Zeugnis barocker Baugestaltung dar. Weithin ist die charakteristische Doppelturmfassade der Klosterkirche mit ihren dreistöckigen Kirchtürmen nun sichtbar und lädt Gläubige zum Besuch und Gebet ein. Doch auch wenn die heute bestehende Klosteranlage aus dem Barock stammt, so ist das Kloster Pielenhofen doch gleichsam viel älter. Bereits im Jahr 1240 waren es die Zisterzienserinnen, die hier an der Naab einen idealen Ort für eine Klostergründung erkannten. Sie weihten ihr Kloster der Mutter Gottes und gaben ihm den Namen „Portus Marianus – Maria am Gestade“. Unter dem Schutz und mit der Unterstützung der Herren von Hohenfels und von Ehrenfels gedieh das Kloster das ganze Mittelalter über – und mit ihm der Ort Pielenhofen. Bereits im 14. Jahrhundert gehörten Mühle und Brauerei zum Kloster. Die enge Verbindung des Klosters mit dem nahegelegenen Dorf führte dazu, dass manche heutige Familiennamen sich in den klösterlichen Büchern um Jahrhunderte zurückverfolgen lassen. Dabei lief es nicht immer gut für das Kloster. Seinen ersten Tiefschlag erlitt das Kloster mit seiner Auflösung im Jahr 1559. Der damalige Landesherr, Ottheinrich von der Pfalz, hatte sich dem Protestantismus zugewandt und die Auflösung klösterlicher Gemeinschaften in seinem Herrschaftsbereich vorgeschrieben. Es sollte fast ein Jahrhundert dauern bis die Zisterziensermönche der Fürstabtei Kaisheim bei Donauwörth die inzwischen recht marode Klosteranlage kauften und Kloster Pielenhofen neu bezogen. Ihre Leistung war es auch die alten Klosteranlagen zu erneuern und auch die alte Klosterkirche abzureißen und 1738 endlich die neue Barockkirche einzuweihen. Doch auch wenn die Einweihungsfeier ein Paukenschlag gewesen war und der Neubau der Klosteranlage wegweisend für klösterliches Leben auf Jahrhunderte sein sollte, blieben die Geschicke des Klosters auch weiterhin wechselhaft; so kam es Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer erneuten Auflösung, diesmal im Rahmen der Säkularisation in Bayern. Doch die Tradition des Klosterbetriebs setzte sich erstaunlicherweise erneut durch und so wurde das Kloster Pielenhofen in den darauffolgenden Jahrzehnten von den Karmelitinnen und dann den Salesianerinnen als Wohn- und Wirkungsstätte genutzt. Diese bauten das Kloster zur Schule um und betrieben diese, über eine lange Zeit. Zuletzt war im Kloster die Vorschule der Regensburger Domspatzen untergebracht. Die Schule wurde jedoch in Pielenhofen geschlossen und nach Regensburg verlegt. Im Jahr 2010 endete auch die klösterliche Nutzung, der Klosterbetrieb wurde wegen Personalmangels eingestellt. Weiterhin aufrecht erhalten bleibt jedoch die schulische Tradition im Kloster. Heute beherbergen die alten Klostermauern eine private Realschule sowie eine Fachoberschule.