Sprache
Einfache Sprache
Auch hier steht eine Frau im Mittelpunkt der biblischen Erzählung (Joh 4, 4-30). Jesus bat am Jakobsbrunnen eine Samariterin um Wasser. Das war außergewöhnlich, denn Juden und Samariter waren seit Jahrhunderten verfeindet und aßen und tranken nie miteinander. Jesus antwortete der verwunderten Frau, dass sie – wüsste sie, wer sie um diesen Gefallen bäte – ihn um Wasser bitten würde, denn er könne ihr lebendiges Wasser geben. Darauf erklärte die Samariterin, sie wisse, dass der Messias komme, der Christus heißt. Und Jesus antwortete ihr: Ich bin es, der mit dir spricht. Das lebendige Wasser, von dem Jesus spricht, wurde stets als eine Anspielung auf die Taufe empfunden. Der Altar gilt als der neue Jakobsbrunnen, an dem Jesus sich als Messias offenbarte. Damit eignete sich diese Stickerei wunderbar als Schmuck des Hauptaltars in der Ursulinenkirche. Die Seidenstickerei hat trotz der langen Nutzung kaum etwas von ihrem Glanz eingebüßt. Die sogenannte Nadelmalerei wurde mit einfachen Flachstichen ausgeführt, wobei die Stiche so dicht gesetzt sind, dass der gesamte Grund aus naturfarbenem Leinen bedeckt ist. Durch das Sticken mit ungesponnener Seide, also nicht gedrehten Fäden, wird der malerische Effekt und der Glanz verstärkt, denn ungesponnene Seide reflektiert das Licht viel besser als gesponnene Fäden. Im Bereich der Baumkrone links ist neben dem dicken Ast eine senkrechte Linie zu erkennen, an der die Farbe sehr deutlich und abrupt wechselt. Hier treffen die Arbeitsbereiche zweier Stickerinnen zusammen, die ihre Arbeit nicht so gut abgestimmt hatten wie im übrigen Antependium.