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Einfache Sprache
Dieses Antependium ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Es zeigt das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen (Mt 25, 1-13) als Sinnbild für das Jüngste Gericht. Zehn junge Frauen warteten auf den Bräutigam. Während die Klugen Öllampen und Öl zum Nachfüllen mitnahmen, trugen die Gedankenlosen nur ihre Lampen bei sich. Als der verspätete Bräutigam endlich eintraf, konnten die klugen Frauen ihm entgegengehen – die anderen blieben zurück. Das Gleichnis mahnt also, stets wachsam auf den jüngsten Tag vorbereitet zu sein. Auch motivisch wird dies umgesetzt: Der Bräutigam erscheint in der geöffneten Tür. Das Strahlen, das von ihm ausgeht, fällt auf die Frauen zu seiner rechten Seite, die mit Blütenkränzen und brennenden Lichtern auf ihn zueilen. Durch den geöffneten Türflügel ist der Bräutigam von den törichten Jungfrauen getrennt, die mit Gesten der Trauer und des sinnlosen Bemühens ihre Verzweiflung zeigen. Dass im Barock ein Altar mit diesem Thema ausgestattet wird, ist zwar theologisch sehr einsichtig, aber völlig einmalig. Gerade die Herstellung im Frauenkonvent dürfte für die Themenwahl eine Rolle gespielt haben. Denn die zukünftigen Nonnen schritten bei ihrer Profess mit Blütenkränzen und brennenden Kerzen zum Altar und damit zu Christus als ihrem Bräutigam. Zudem vermittelten die Ursulinen in ihrer Schule Mädchen weitreichende Bildung. Aber auch die Vielfalt der Sticktechniken und der Detailreichtum sind hier besonders groß. Beispielsweise sind Mantel und Obergewand der fünften klugen Jungfrau mit Goldstickerei verziert. Bei ihrem langen blauen Rock – in feinster Nadelmalerei farbig schattiert – wurde im Saumbereich ein Netz aus Seidenfäden darübergelegt, das Tüllgewebe oder Spitze imitieren soll. In einem weiteren Arbeitsschritt wurde es dann mit kleinen Spiegelmedaillons verziert. Die Ausführung eines derart virtuos gestickten Antependiums beanspruchte mehrere Jahre und wurde arbeitsteilig von mehreren Stickerinnen ausgeführt.