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Einfache Sprache
Im Bayerischen Wald, wo karge Böden und das rauhe Klima die Felderwirtschaft erschwerten, war Getreide ein besonders wertvolles Gut. In einem eigenen Gebäude wurde das mühsam gewonnene, ausgedroschene Korn gelagert, bis es zum Brotbacken oder für die nächste Saat weiterverwendet wurde. Dieser sogenannte Getreidekasten – auf Bairisch „Troadkastn“ – war meist nicht groß, aber mit viel Bedacht gezimmert. Der Getreidekasten am Kapplhof ist hoch aufgeständert, sodass ebenerdig ein Wagenschupfen mitgeschaffen wurde. Zugleich war dadurch das Getreide vor Bodenfeuchte geschützt. Betrachtet man den Holzbau näher, fallen viele Details auf. Sogar Zierrat findet man auf den wettergegerbten Fichtenbalken und -brettern. Das Christusmonogramm „I H S“ und ein Dreifaltigkeitsherz auf dem Türfirst sollten die Getreideernte segnen. Auf einem abgesetzten Balken über derselben Tür hat sich der Erbauer des Troadkastens, der Bauer Adam Kappel, verewigt: mit Rötel sind dort die Initialen „A K“ und die Jahreszahl 1712 aufgemalt. An kühlen trockenen Tagen wurde die massive Holztür mit ihrem speziellen Schließwerk geöffnet, um das Getreide zu belüften. Die vorgelagerte Gittertür hielt dann Hühner und Tauben davon ab, sich Körner zu stibitzen. Selbst dieses Holzgatter ist besonders gestaltet, aus diagonalem Bundwerk und ornamental geschnitzten Bretterspitzen.